Der Welt-Unsicherheits-Index und die vier Stufen zur Resilienz

von Lars Weber und Arne Klein

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Der von Stanford-Mitarbeitern entwickelte Welt-Unsicherheits-Index zeigt nicht erst seit Corona einen steilen Anstieg. Schon die Finanzkrise 2008 schickte ihn in eine erst abrupte, dann kontinuierliche Aufwärtsbewegung. Seit dieser Krise hätten Unternehmen und Gesellschaften gezielt Resilienz aufbauen müssen, haben es aber nur in wenigen Bereichen getan, etwa durch die vorsichtige Reduktion globaler Lieferketten.

In vielen Bereichen – etwa dem Gesundheitswesen – haben sie es nicht nur unterlassen, sondern Resilienz sogar geschwächt. Eher zufällig hat sich die Digitalisierung in der Corona-Krise als Resilienz fördernd erwiesen (u.a. Home-Office, Deliveries). Vorangetrieben wurde und wird Digitalisierung jedoch durch althergebrachtes Effizienzstreben. Gegen andere Krisenformen wie Energieausfälle oder die Dauerbedrohung durch Hacker sind digitale Lösungen alles andere als resilient.
Wir befinden uns also an einem Punkt, an dem wir nicht nur neue Widerstandskraft in kurzer Zeit aufbauen müssen, sondern auch lange Versäumtes nachholen. Diese doppelte Herausforderung verlangt systematisches und überlegtes Handeln.

Wie das für Unternehmen und Institutionen aussehen kann, haben wir im vierstufigen Prozess RAMP zusammengefasst. Diese Abkürzung steht für: Resilient, Anticipative, Monetary, Planetary, und das bedeutet:

Unternehmen und Institutionen RESILIENT führen.

Stellen Sie Ihre Todesszenarien auf und spielen Sie diese vollständig in kleinen Teams durch. Erkennen Sie Ihre Klumpenrisiken, schaffen Sie Fallback-Strukturen. Stellen Sie einen Plan auf, wie Sie die ersten drei Todesszenarien selbst realisieren, indem sie z.B. gefährdete, nicht schützbare Bereiche abschaffen. Seien sie auf den Ausnahmefall vorbereitet. Geben Sie ohne kurzfristige Ertragserwartungen ernsthaft Geld für diese Maßnahmen aus. Akzeptieren Sie, dass hier nicht die üblichen Effizienzkriterien gelten.

Nur starke Investitionen in den Passagierschutz könnten die Flugzeugindustrie vor der Dauerkrise bewahren. Tatsächlich deutet sich aber jetzt schon an, dass mit dem Ziel der Belegung aller Sitzplätze Effizienz über wirksamen Schutz gehen wird.

Messe-Gesellschaften, die keine virtuellen Angebote schaffen, werden kaum noch Hallen füllen können. Ob der Gang ins Internet z.B. über Meetyoo die Eventindustrie rettet, erscheint fraglich. Wird das Aufstellen von Servern Co-Working Geschäftsmodelle wie WeWork erhalten? Wohl kaum. Auch die urbane Hotellerie vermietet schon tageweise Hotelzimmer als Arbeitsplätze.

Marken ANTIZIPATIV am Kunden ausrichten.

Welche Veränderungen finden im Leben des Kunden statt, wie sieht morgen eine gute Kundenbeziehung aus? Welche noch zu findende Lösung könnte den Kunden zukünftig begeistern? Überprüfen Sie darauf Ihre Kundenbeziehungen. Machen Sie diese Beziehungen über verschiedene Ebenen durch Fairness und Großzügigkeit widerstandsfähig. Investieren Sie in die Beziehung und monetarisieren Sie sie nicht reflexhaft. Missbrauchen Sie die Beziehung nicht für Marketingzwecke. Vermeiden Sie Manipulationen wie exzessives Habit Forming, selbstverlängernde Probeverträge oder rabattierte Neuverträge. Entwickeln Sie neue, glaubwürdige Ideen zur Belohnung von Kontinuität und Kundentreue.

Arztpraxen etwa investieren ohne große Aussicht auf kurzfristige Refinanzierung in Online-Sprechstunden. Den Bedarf hierfür gab es schon vor Corona, nur eben nicht den Anlass. KinderarztNow macht vor, wie man Online-Sprechstunden vereinbart und Rezepte herunterlädt. Die Faroer Inseln bieten gerade jetzt virtuelle Touren per Pferd, Kayak oder als Wanderung an. Hierzu tragen Einheimische nicht nur 360°Kameras bei sich, sondern beantworten spontan auch Fragen der Online-Reisenden zu den jeweiligen Sehenswürdigkeiten.

Durch Innovationen MONETÄREN Mehrwert schaffen.

Gegenseitiger Ertrag bedeutet, nicht einseitig auf geldwerte Ertragssteigerung zu setzen, sondern mit Produkt- und Serviceinnovationen ernsthaft den Kunden zu dienen. Auch mit Innovationen, die intern oder gesellschaftlich bislang abgelehnt wurden. Realisieren sie einige davon. Trainieren Sie strukturelle Veränderungsbereitschaft und installieren Sie ein fortlaufendes Innovationsmanagement.

Überwinden Sie etwaige Abneigungen gegen Drohnen und Roboter und testen sie ihren Einsatz, erproben Sie Kooperationen. Es gibt mehr Möglichkeiten als bloß Gottesdienste in Autokinos abzuhalten. Wenn der Ticketingexperte Eventim mit Wirtschaftsprüfer PwC und anderen eine alternative Corona App entwickeln kann, dann können Sie Ihre Geldautomaten auch mit Iris-Scan ausstatten, Ihren Fertigungsmitarbeitern Brillen mit Distanzanzeigen anbieten oder Ihre Getränkedosen mit desinfizierenden Schutzhüllen versehen.
Einfallsreichtum hilft. Produzieren Sie nicht nur Gin, sondern auch Desinfektionsmittel. 3D-gedruckte Türöffner oder der ultraviolette Hygienestab von Knick´n´clean wären schon vor der Krise kundenfreundliche Innovationen gewesen.

Geschäftsmodelle sollen durch PLANETARE Verträglichkeit Wiederholbarkeit ermöglichen.

Definieren Sie grundlegende Schlüsselressourcen, Kompetenzen, Technologien oder Rohstoffe. Spielen Sie Szenarien durch, in denen eine oder mehrere wegfallen und ergreifen Sie Maßnahmen, sie nachhaltig zu ersetzen. Bestimmen Sie ökologische Kosten und Wege zu deren Reduktion. Nutzen Sie Krisen als Katalysatoren, um ökologische Kosten zu mindern. Denken Sie aus diesem Blickwinkel über situative Markteintritts-Szenarien nach.

Vielleicht haben Sie schon vor der Krise ihre Abhängigkeit von Zulieferern aus China in Frage gestellt. Jetzt können Sie umstrukturieren, ihre internen Videochat-Kapazitäten ausbauen und gleichzeitig schädliche Flugreisen vermeiden. Testen Sie den Einsatz von Plastikfolien aus Fischschuppen von Marina Tex oder entwickeln Sie wie Feel the Peel aus Ihre Abfällen selber neue Verpackungen. Schaffen Sie sich für jede Schlüsselressource eine umweltverträgliche Alternative.

Im kontinuierlich ansteigenden Unsicherheitsgeschehen ist die Corona-Krise ein Extrem. Mit RAMP wollen wir helfen, die Bedingungen der im Welt-Unsicherheits-Index erkennbaren Veränderungen zu verstehen und ihnen zu begegnen. Denn die Versäumnisse der letzten zwölf Jahren seit der Finanzkrise dürfen wir uns kein zweites Mal leisten. Nur so werden wir auch morgen noch Gesellschaft und Märkte gestalten und nicht bloß Überkommenes verwalten.

Wenn Sie wissen wollen, wie resilient Ihr Unternehmen ist, dann machen Sie den kostenlosen RAMP-Test.

 

 

Kontakt:

Arne Klein
akl@kleinundplaecking.com
Lars Weber
lwe@kleinundplaecking.com